#17 Ihr Mann starb vor ihren Augen, Jahre später verstand sie, wer wirklich die Starke war

#17 Ihr Mann starb vor ihren Augen, Jahre später verstand sie, wer wirklich die Starke war

Ihr Mann starb vor ihren Augen – Jahre später verstand sie, wer wirklich die Starke war

Es gibt Momente im Leben, die kündigen sich nicht an.

Kein langsamer Übergang. Keine Vorbereitungszeit. Keine Chance, noch einmal darüber nachzudenken.

Es gibt ein Davor.

Und wenige Sekunden später ein Danach.

Für Corinna Göring war dieser Moment der 12. Juni 2015.

Sie sitzt gemeinsam mit ihrem Mann und Geschäftspartnern beim Essen, als ihr Mann plötzlich an einem Herzinfarkt stirbt.

Nach 29 gemeinsamen Jahren.

26 Jahre davon waren sie nicht nur ein Paar, sondern auch Geschäftspartner. Sie hatten gemeinsam ein Unternehmen geführt, zwei Kinder großgezogen und einen großen Teil ihres bisherigen Lebens miteinander verbracht.

Corinna beschreibt diesen Moment heute mit einem Satz:

„Meine Welt wurde auf Null gesetzt.“

Doch was danach geschieht, ist nicht nur eine Geschichte über Verlust und Trauer.

Es ist eine Geschichte über Prägungen. Über Selbstwert. Über Wahrnehmungen, die sich nicht einfach erklären lassen. Und über die Frage, ob wir manchmal erst etwas verlieren müssen, um zu erkennen, was längst in uns vorhanden war.

Wenn der stärkste Halt plötzlich nicht mehr da ist

Corinna hatte ein klares Bild von ihrer Beziehung.

Ihr Mann war der Starke.

Der Anker.

Derjenige, auf den sie sich verlassen konnte.

Sich selbst sah sie anders.

Sie beschreibt sich rückblickend als eher pessimistisch. Als jemanden, der schnell überlegte, was nicht funktionieren könnte. Der sich selbst weniger zutraute als anderen.

Doch woher kam dieses Bild überhaupt?

Im Gespräch landen wir bei ihrer Kindheit und bei Sätzen, die Corinna von ihrem Vater kannte:

„Das schaffst du nicht.“

„Das funktioniert nicht.“

Oder die grundsätzliche Haltung, zuerst nach dem Problem zu suchen.

Solche Botschaften können tiefer wirken, als uns bewusst ist.

Denn irgendwann muss niemand mehr im Außen sagen, dass wir etwas nicht können.

Wir übernehmen diese Aufgabe selbst.

Wenn eine alte Stimme zu deiner eigenen wird

Genau hier wird Corinnas Geschichte für mich besonders interessant.

Denn Prägungen sind nicht einfach Erinnerungen an unsere Kindheit.

Sie können beeinflussen, wie wir uns selbst wahrnehmen, welche Entscheidungen wir treffen, was wir uns zutrauen und wo wir uns zurückhalten.

Und manchmal passen diese inneren Überzeugungen überhaupt nicht mehr zu unserem tatsächlichen Leben.

Corinna war schließlich längst Unternehmerin.

Sie hatte Verantwortung übernommen, Kunden betreut und gemeinsam mit ihrem Mann ein Unternehmen geführt.

Als ihr Mann zuvor gesundheitliche Probleme hatte, war auch sie diejenige gewesen, die Verantwortung trug und weitermachte.

Das Interessante daran:

Ihre Stärke war längst sichtbar. Nur für sie selbst offenbar noch nicht.

Genau solche Widersprüche begegnen mir auch immer wieder in meiner Arbeit.

Ein Mensch kann im Außen erfolgreich sein und sich innerlich trotzdem nicht gut genug fühlen.

Er kann Verantwortung für andere übernehmen und gleichzeitig an sich selbst zweifeln.

Er kann längst Beweise für seine Fähigkeiten gesammelt haben und trotzdem einer alten inneren Stimme mehr glauben als der eigenen Realität.

Das Außen sagt: Du kannst es.

Im Inneren läuft trotzdem: Bist du sicher?

Dann erlebt Corinna Dinge, die sie sich nicht erklären kann

Nach dem Tod ihres Mannes verändert sich noch etwas.

Corinna beginnt Erfahrungen zu machen, die für sie nicht in ein rein rationales Erklärungsmodell passen.

Wenige Wochen nach seinem Tod sitzt sie an einem ihrer Kraftorte an einem Fluss.

Sie ist wütend.

Sie spricht laut mit ihrem verstorbenen Mann und lässt all das heraus, was gerade in ihr ist.

Warum hast du mich allein gelassen?

Warum muss ich jetzt mit all dem klarkommen?

Währenddessen verändert sich nach ihrer Wahrnehmung plötzlich das Wasser an einer dortigen Stauanlage. Für kurze Zeit fließt deutlich mehr Wasser, anschließend ist es wieder vorbei.

Corinna versucht später sogar herauszufinden, ob technisch etwas geöffnet wurde.

Nach ihrer Schilderung findet sie dafür keine Erklärung.

Für sie persönlich bekommt der Moment eine besondere Bedeutung.

Sie nimmt ihn als Zeichen ihres Mannes wahr.

Was, wenn wir nicht alles sofort erklären müssen?

Später erlebt Corinna weitere solcher Situationen.

Bei einer Wanderung bittet sie innerlich um ein Zeichen. Kurz darauf öffnet sich die geschlossene Wolkendecke auf eine Weise, die sie an einen Engel erinnert.

Sie fotografiert den Moment.

Das Foto besitzt sie bis heute.

Muss man daraus dieselbe Schlussfolgerung ziehen wie Corinna?

Nein.

Darum geht es auch nicht.

Es sind ihre persönlichen Erlebnisse und ihre Interpretation dieser Momente.

Viel spannender finde ich eine andere Frage:

Was passiert, wenn wir einer Wahrnehmung zunächst einmal Raum geben, bevor wir sie sofort bewerten?

Wir sind darauf trainiert, einzuordnen.

Richtig oder falsch.

Beweisbar oder nicht beweisbar.

Realistisch oder unrealistisch.

Aber vielleicht muss nicht jede Erfahrung innerhalb von Sekunden in eine Schublade.

Vielleicht darf manches zunächst einfach wahrgenommen werden.

Die innere Stimme ist oft leiser als der Verstand

Fast jeder kennt solche kleinen Momente.

Du hast plötzlich das Gefühl, jemanden anrufen zu müssen.

Du betrittst einen Raum und merkst sofort, dass etwas nicht stimmt.

Du stehst vor einer Entscheidung und irgendetwas in dir sagt deutlich Nein, obwohl auf dem Papier alles für ein Ja spricht.

Und manchmal tun wir das Gegenteil.

Nicht, weil wir den Impuls nicht wahrgenommen haben.

Sondern weil unser Verstand sofort eine bessere Erklärung liefert.

Genau diese Ebene interessiert mich bei SHIFT HAPPENS.

Nicht als Ersatz für Logik, Fakten oder fachliche Expertise.

Sondern als zusätzliche Ebene unserer Wahrnehmung.

Was passiert, wenn wir Körper, Geist und Seele nicht ständig voneinander trennen?

Was verändert sich, wenn wir nicht nur fragen, was wir denken, sondern auch beginnen wahrzunehmen, was in uns längst reagiert?

„Warum kann ich nicht weinen?“

Ein weiterer Moment in Corinnas Geschichte zeigt, wie stark wir sogar unsere eigenen Gefühle bewerten können.

Nach dem Tod ihres Mannes sieht sie ihre Kinder trauern und weinen.

Sie selbst kann kaum weinen.

Und irgendwann beginnt sie, sich deswegen selbst infrage zu stellen.

Warum kommen keine Tränen?

Stimmt etwas mit mir nicht?

Habe ich ihn vielleicht nicht genug geliebt?

Zum eigentlichen Verlust kommt dadurch ein zusätzlicher innerer Druck.

Einige Monate später lernt Corinna über ihr Unternehmernetzwerk eine Schamanin kennen.

Nach Corinnas Erzählung kennt diese Frau ihre Geschichte zunächst nicht. Während des Treffens beschreibt sie jedoch die Wahrnehmung eines Mannes in Corinnas Nähe und spricht schließlich auch das Thema ihrer fehlenden Tränen an.

Corinna nimmt aus dieser Begegnung einen für sie entscheidenden Gedanken mit:

Zwischen ihr und ihrem Mann sei nichts Wesentliches unausgesprochen geblieben.

Dieser Gedanke verändert etwas in ihr.

Der Druck wird weniger.

Sie bekommt Ruhe.

Auch diese Erfahrung ist Corinnas persönliche Wahrnehmung und Interpretation. Doch unabhängig davon zeigt sie etwas Entscheidendes:

Manchmal leiden wir nicht nur unter dem, was passiert ist.

Wir leiden zusätzlich unter der Geschichte, die wir uns darüber erzählen.

Jahre später erkennt sie das eigentliche Muster

2018 beginnt Corinna, sich intensiver mit ihrer persönlichen Entwicklung und ihren Prägungen auseinanderzusetzen.

Und plötzlich ergibt manches einen anderen Sinn.

Die Zweifel.

Das Kleinmachen.

Der Vergleich mit anderen.

Auch beruflich hatte das Konsequenzen.

Corinna erzählt beispielsweise, dass sie sich häufig mit Männern verglich und ihnen schneller zugestand, erfolgreicher zu sein oder höhere Preise verlangen zu können.

Obwohl die fachliche Kompetenz vorhanden war.

Hier zeigt sich für mich sehr deutlich, warum wir nicht immer nur auf das sichtbare Problem schauen sollten.

Wenn jemand Schwierigkeiten hat, seinen Preis zu verlangen, kann man natürlich an Verkaufstechniken arbeiten.

Wenn jemand sich nicht zeigt, kann man eine Sichtbarkeitsstrategie entwickeln.

Wenn jemand sich selbst unterschätzt, kann man versuchen, positiver zu denken.

Aber was passiert, wenn unter all dem eine viel ältere Grundannahme liegt?

„Ich bin weniger wert.“

„Andere können es besser.“

„Ich schaffe das nicht.“

Dann behandeln wir möglicherweise immer wieder die sichtbare Oberfläche, während darunter dasselbe Programm weiterläuft.

Und genau deshalb interessiert mich die Ebene hinter dem offensichtlichen Problem.

Weg von der reinen Symptombetrachtung – hin zu dem, was darunter wirkt.

Die Frau, die sich selbst unterschätzt hatte, wird sichtbar

Corinnas Veränderung bleibt nicht nur ein innerer Erkenntnisprozess.

Sie zeigt sich später auch im Außen.

Nach dem Verkauf des gemeinsamen Unternehmens geht sie erneut in die Selbstständigkeit.

2021 entscheidet sie sich sogar dafür, ein Franchise-System im Datenschutz für Solo- und Kleinunternehmer aufzubauen.

Sie entwickelt etwas Eigenes.

Positioniert sich.

Geht damit nach außen.

Und erkennt zunehmend den Wert ihrer eigenen Kompetenz.

Im Gespräch sagt sie einen einfachen, aber entscheidenden Satz:

„Selbstwert heißt, den eigenen Wert zu erkennen.“

Vielleicht steckt darin viel mehr, als es zunächst klingt.

Denn Selbstwert bedeutet nicht, sich einzureden, besser zu sein als andere.

Es bedeutet auch nicht, jeden Morgen vor dem Spiegel irgendwelche Sätze aufzusagen, die sich innerlich überhaupt nicht wahr anfühlen.

Es kann zunächst bedeuten, aufzuhören, die eigene Stärke permanent kleiner zu rechnen.

Vielleicht musst du nicht stärker werden

Genau darin liegt für mich der eigentliche SHIFT in Corinnas Geschichte.

Jahrelang glaubte sie, ihr Mann sei der starke Part.

Doch nachdem er nicht mehr da war, wurde Stück für Stück sichtbar:

Corinna hatte längst getragen.

Sie hatte längst entschieden.

Sie hatte längst Verantwortung übernommen.

Sie hatte ihre Stärke nur anders bewertet.

Vielleicht kennen wir das selbst aus anderen Bereichen unseres Lebens.

Wir suchen mehr Selbstbewusstsein.

Mehr Mut.

Mehr Sicherheit.

Mehr Vertrauen.

Und möglicherweise lautet die entscheidende Frage irgendwann gar nicht mehr:

Wie bekomme ich endlich mehr davon?

Sondern:

Was verhindert eigentlich, dass ich wahrnehme, was längst da ist?

Denn manchmal müssen wir nicht erst ein anderer Mensch werden.

Manchmal dürfen wir anfangen zu erkennen, welche alten Stimmen, Prägungen und Vorstellungen uns davon abhalten, den Menschen zu sehen, der wir längst sind.

Und vielleicht beginnt genau dort Veränderung.

Nicht nur im Denken.

Sondern von innen nach außen.

Denn du musst nicht mehr werden. Du darfst wieder mehr der Mensch werden, der du wirklich bist.


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